von unserem Welser Freund Gerhard-Theo Absolon

„Aha, fährst wieder nach Korfu, muss schön sein, jetzt im Frühjahr. Vierzehn Tage bist du weg? Super! Da wirst du wieder eine Farbe haben, wenn du zurückkommst. Der Neid könnte einen fressen. Einen schönen Urlaub wünsch ich dir!“.

Solche, oder so ähnliche Sätze verabschiedeten mich vor der Fahrt zur Fähre, von Venedig nach Korfu. Dass der Aufenthalt auf der Fähre bereits Urlaub sein sollte, entnahm ich dem Prospekt der Minoan Lines. Mit Lesen, mit Schlafen und mit an der Bar sitzen vergingen die Stunden. Im Fernsehen sah man bei den Nachrichten weißen Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigen, worauf kurz darauf deutsche Touristen meinten: „Das müssen wir begießen!“, und „da müssen wir ja einen heben!“ Zweiundzwanzig Stunden dauerte die Fahrt, dann war ich in Korfu und wenige Minuten später in der Marina GOUVIA.

Der Winterschlaf der „Elpida“ war längst vorbei und viel Arbeit, außenbords wie auch innen, wartete auf mich.

Zwar hatte Klaus Mayer, sein Büro mit Werkstatt liegt direkt vor der Marinaeinfahrt in Kontokali, bereits wichtige Vorarbeiten an Motor und Welle durchgeführt, Zeitaufwändiges, Arbeitsintensives blieb jedoch mir überlassen.

Deshalb war ich auch mit Sack und Pack, sprich Bohr-, Polier, -und Schleifmaschinen, mit allen Sorten Schleifpapier, sowohl für nass wie auch für trocken, mit Kabeln und Gewebeschläuchen, mit Lacken, Härtern und auch Klebern, angereist, und oben in der Dachbox hatte ich das Klapprad. Nach meinem Plan, wusste ich genau an welchem Tag ich welche Arbeiten machen würde, um dann Ende April fertig zu sein. Mein Retourticket war mit offenem Datum ausgestellt, denn fix zu buchen wäre mir zu stressig gewesen.

Am Anfang lief auch alles bestens. Die Kabel und das Netzgerät für den Landanschluss waren fertig. Verlegt waren schnell die Schläuche für die Spüle in der Pantry und auch in der Toilette. Erst allmählich beleben sich vor Ostern die Gassen in der Stadt

Die neue Waschschüssel war eingedichtet, der Dieseltank ausgebaut und der Ankerkastendeckel lag bereit, um Verstärkung durch in Polyester getränkte Fasermatten zu erhalten.

Da passierte es, obwohl ich immer an alle möglichen Arbeitsunfälle dachte. Ich hatte sogar die Stehleiter mit der Badeleiter verbunden um ja nicht von dieser wegkippen zu können. Denn wer sollte mich da finden, unter aufgebockten Yachten, mitten in der Nacht womöglich, mit gebrochener Schulter oder Bein. Hier gab es nur Hunde, und die schliefen.

Aber es kam ganz anders. Es war nicht in der Nacht, es war ein idyllischer Sonntagnachmittag. Familien spazierten durch die Marina, Kinder ließen Drachen steigen, zwei Jugendmannschaften in Uniformen spielten Kricket auf gepflegtem Rasen.

Ich war vielleicht doch zu hastig unterwegs zwischen der Werkzeugkiste im Auto und einem fehlenden Werkzeug im Boot, auch hatte ich durch die offenen Deckel der Backskiste nur wenige Stellen für einen Durchgang frei. So fiel ich, mit einem Fuß irgendwo hängen bleibend, im Fallen noch um hundertachzig Grad drehend, mitten in die bereits mit allem Möglichen gefüllte Plicht. Ich lag eine Weile wie ein Maikäfer. Im Rücken spürte ich den zerdrückten, nun leeren, Wasserkübel, und in der linken Hand die Schmerzen. Das Schienbein war aufgeschlagen und blutete.

Nach einer Weile erst konnte ich mich aus meiner misslichen Lage befreien. Die ersten Gedanken: Rettung, Arzt, Röntgenbild, Gips,. . . Nur nicht Krankenhaus! Dieses kannte ich von außen, es steht mitten im Stadtgewühl, nein, von innen wollte ich es nicht kennen lernen!

Da musste ich an einen vor kurzem im ORF gespielten Film denken: „Der Arzt von Korfu“! Harald Krassnitzer in der Hauptrolle, sofort zur Stelle wenn er gebraucht wurde, ob vom Achilleon der Sissi nach Sidari, hoch im Norden, ob von einer Taverne im Osten oder Westen nach Korfu-Stadt, meist war er mit dem Fahrrad unterwegs und das ganz schnell. Keine Patientin, kein Patient musste lange warten und auch nicht leiden. Man lag in einem schönen Krankenhaus, hatte Blick aufs Meer und dahinter glühten im Abendrot die Berge von Albanien. Ich fragte mich:

„Warum fährt er heute nicht durch die Marina“?

Die Schmerzen in der linken Hand holten mich aus meinen Träumen. Der Handrücken wurde dick und auch die Finger. An einen Bruch konnte ich aber nicht glauben, das stellte ich mir doch ärger vor.

Alles, nur nicht griechische Ostern im Gips.

Dieses Jahr fiel die Karwoche in die letzte Aprilwoche. Der Ostersonntag war der Erste Mai. Was das bedeutete, wusste ich aus früheren Jahren:
Griechische Ostern sind anders als bei uns, speziell in Korfu, sie sind irgendwie lustiger.

Bucht in Paleokastritsa

Am Karsamstag dann, noch vor der Auferstehung (Christos anesti), wird hier bereits gefeiert. Farbenprächtig uniformierte Musikkapellen spielen auf. Schon am Vormittag werden Keramiktöpfe, sogar riesige Amphoren aus Fenstern der obersten Stockwerke zum Gaudium der Zuschauer in die Gassen geworfen.

Ostern in Korfu sind spektakulär für Touristen, sie sind nichts für Bootsreparierer!

Noch war es nicht so weit, jedoch die Tage schmolzen dahin. Mein Programm musste drastisch gekürzt werden, obwohl einarmiges Rad- und Autofahren möglich war und ich die Flex schon wieder halten konnte. Birgit, die Lebensgefährtin von Klaus, die früher Krankenschwester war, gab mir gute Tipps. Umschläge mit Joghurt waren ihr Geheimrezept, jedoch ein zehnprozentiges sollte es schon sein!

So konnte ich trotz der Lädierungen noch wesentliche Arbeiten durchführen. Der Tank, selbst seine Auflage in der Backskiste, waren wieder in Ordnung. Die Zuleitung zum Tank war dicht und auch die Tankuhr wieder in Funktion. Der Kiel war entrostet und mit Epoxy gespachtelt, der Ankerkastendeckel fix montiert und fast wie neu. Nur das Problem mit meinem Hosenbund blieb. Der oberste Knopf sträubte sich beharrlich gegen sein Knopfloch. Alleine mit der rechten Hand und mit dem linken Daumen, das war unmöglich. Er blieb offen, gut kaschiert mit einem breiten Gürtel.

Schnell kam der Gründonnerstag, der in Griechenland der „Rote“ Donnerstag (Kokkino-pempti) ist. Es gibt keinen Spinat mit Spiegelei, sondern schon die roten Ostereier. Dieser Unterschied in den Farben wird übrigens auch bei den politischen Parteinen deutlich. So sind in Griechenland die „Roten“ grün gefärbt (PASOK) . Ob es überhaupt Grüne gibt und ob die auch rot sind? Gebraucht würden sie hier allemal. Momentan regieren ja die Schwarzen (NEA DEMOKRATIA), die hier blau sind.

Am Karfreitag wird – die Arbeitsmoral betreffend – ein weiterer Gang zurückgeschaltet und falls die Läden am Abend noch offen haben, der Besitzer dich aber im weißen Hemd und dunkler Hose erwartet, ist das schon ein schlechtes Zeichen. Das heißt dann: „Wegen dir mach ich mich nicht mehr schmutzig!“, und: „Wenn ich nicht genau weiß wo es liegt, was du brauchst, dann habe ich es auch nicht!“

Und so geschah es auch. Am Vortag durfte ich noch sämtliche Regale durchwühlen. Ich wusste, ich hätte den Halbzollhahn gefunden. „Nein, den habe ich nicht!“ (afto then echo) „Vielleicht in der Stadt!“ (issos sto polis).

Das war für mich die Erleuchtung: Es gibt Arbeiten die nie aufhören. Diese müssen entschlossen beendet werden!
Am selben Abend fuhr ich noch zum Hafen, ging Die Ariadne Palace läuft in Venedig einin das Büro der Minoan und fixierte meine Rückfahrt nach Venedig. Denn sechs Tage warten, bis die Läden wieder öffnen, nein das war mir doch zu lang.

Es ist Samstag Vormittag, in Korfu-Stadt werfen bestimmt schon wieder Korfioten Vasen und Amphoren aus den Fenstern. Ich aber sitze in der Bar der „Ariadne Palace“, an Steuerbord ziehen die albanische Berge achteraus, die linke Hand ist zwar immer noch geschwollen, die rechte aber hält ein eisgekühltes Glas, gefüllt mit Amstelbier, „drawed off from the tap“. Achtundzwanzig Knoten macht sie, das steht hier in dem Prospekt und irgendwo davor lese ich: „Ihr Urlaub beginnt bereits an Board“.

Gerhard-Theo Absolon

Die Elpida, eine Gib’Sea 312 wird in Korfu auch verchartert, sowohl in Bare-boat als auch in einer kleinen Flottilie.
Über weitere Details können sich Interessenten an folgende Internetadresse wenden:
www.friendshipcharter.com
oder direkt an den Autor dieser Erzählung: abs.gt@utanet.at
Die Fähren der Minoanlines fahren in Venedig-im Sommer täglich um 14 Uhr ab und sind am darauffolgenden Tag um 11.15 Uhr in Korfu. Die Rückfahrt von Korfu erfolgt um 7 Uh über Igoumenitsa. Am nächsten Morgen um 7 Uhr kommt man in Venedig an.